Verbraucherinnen- und Verbraucherbildung im schulischen Unterricht

1. Projektbeschreibung

Auftrag zur Durchführung des Leitprojektes "Verbraucherbildung an Schulen" ist der Kabinettbeschluss vom 14.02.2012 zur Umsetzung der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" in NRW. Danach sollen mit dem Leitprojekt die curricularen Vorgaben für die schulische Verbraucherbildung und die Erweiterung des Lehrplannavigators durch geeignete ergänzende Materialien fokussiert werden. Die Empfehlung der Kultusministerkonferenz (KMK) "Verbraucherbildung an Schulen" vom 12.09.2013 sowie die beiden Landtagsbeschlüsse zur schulischen Verbraucherbildung vom 18.03.2014 (Landtagsdrucksache 16/3223 und 16/5307) haben zusätzliche fachliche und politische Impulse gesetzt, die im Zuge der konzeptionellen Ausgestaltung des gemeinsamen Vorhabens vom Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) und dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) berücksichtigt wurden.

Konkret werden mit dem Leitprojekt schulpraxisnahe Grundlagen zur Implementierung von Verbraucherbildung an Schulen entwickelt. Zentrale Maßnahme ist die Erarbeitung einer Rahmenvorgabe "Verbraucherbildung an Schulen", die künftig ergänzend zu den fächer- und lernbereichsbezogenen Kernlehrplänen von allen Schulen der Primar- und Sekundarstufe I im Unterricht und bei den außerunterrichtlichen Aktivitäten zu berücksichtigen ist. Zusätzlich wird eine gleichnamige Handreichung erarbeitet, die Hilfen für die Erstellung schulinterner Lehrpläne sowie die Vorbereitung von Unterricht, Verweise auf Unterstützungsmaterialien und außerschulische Bildungspartnerinnen und -partner enthält. Die Handreichung einschließlich der Sammlung guter Praxisbeispiele soll in den Lehrplannavigator eingestellt werden.

Bei der Entwicklung der Rahmenvorgabe und Handreichung werden die Umsetzungserfahrungen von zehn Modellschulen einfließen, die sich im Schuljahr 2015/2016 zur Mitarbeit im Projekt bereiterklärt haben. Das Leitprojekt wird wissenschaftlich von zwei Hochschullehrerinnen aus den Bereichen Hauswirtschaft/Verbraucherbildung und Wirtschaft/Politik/Sozialwissenschaften begleitet.

2. Projektziele

Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, Konsumentscheidungen - auch im Sinne der Nachhaltigkeit - reflektiert und verantwortungsbewusst treffen sowie gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln verstehen und beurteilen zu können. Deshalb soll Verbraucherbildung auf Basis einer Rahmenvorgabe ab dem Schuljahr 2017/2018 verpflichtend als eine fachliche und überfachliche Aufgabe aller Schulen der Primar- und Sekundarstufe I integriert werden.

Außerdem soll deutlich werden, an welchen Stellen in bestimmten Leit- und Ankerfächern heute schon Anknüpfungspunkte für Verbraucherbildung in geltenden Kernlehrplänen bestehen.

Mit der Erstellung der Rahmenvorgabe soll auch wichtige curriculare Vorarbeit für zukünftige Lehrplanentwicklungen geleistet werden, etwa für die Neuausrichtung des Faches Hauswirtschaft im Lernbereich Arbeitslehre.

Darüber hinaus soll der Lehrplannavigator zur Unterstützung der Schulen bei der Konzeption schulinterner Lehrpläne weiterentwickelt werden.

3. Projektaufbau und Durchführung

Die Erarbeitung der Rahmenvorgabe erfolgt unter Leitung der Qualitäts- und UnterstützungAgentur - Landesinstitut für Schule (QUA-LiS) in einer Arbeitsgruppe mit MSW-Beteiligung. Die gleichnamige Handreichung soll bereits Ende 2016 vorliegen; mit ihrer Erstellung ist die vom MKULNV beauftragte wissenschaftliche Begleitung des Leitprojektes befasst, die dabei konkrete Umsetzungserfahrungen von zehn Modellschulen aus NRW berücksichtigt. Die Teilnahme der Modellschulen an der Erprobung von (neuen) Ansätzen und ausgesuchten Bildungsmaterialien der Verbraucherbildung in ihren Einrichtungen erfolgt auf der Basis selbstständiger und eigenverantwortlicher Planung und Steuerung der Schulen. Sie erhalten jedoch Unterstützung durch die wissenschaftliche Begleitung und durch temporäre Mitarbeit außerschulischer Partnerinnen und Partner.

Im Frühjahr 2015 fand die erste Informationsveranstaltung mit den Modellschulen statt, bei der das Leitprojekt vorgestellt wurde. Weitere Vertiefungsveranstaltungen folgten im Mai und Juni 2015 unter Beteiligung der inzwischen installierten wissenschaftlichen Begleitung. Am 22.09.2015 wurde ein Vernetzungstreffen durchgeführt, bei dem die Modellschulen mit ausgewählten außerschulischen Partnern zusammengebracht wurden. Im weiteren Verlauf des Schuljahres 2015/2016 sind zusätzliche Veranstaltungen vorgesehen, um insbesondere den Erfahrungsaustausch zwischen den Modellschulen sicherzustellen.

4. Ergebnisse und Perspektiven

Bereits in 2013/2014 hat die Universität Paderborn mit finanzieller Unterstützung des MKULNV zu den Themen Ernährung, Finanzen und Nachhaltigkeit insgesamt 211 Projektbeispiele für die Sekundarstufe I und 34 Materialien für die Grundschulen in die Materialdatenbank des Lehrplannavigators eingestellt. Im Zuge der Erarbeitung der vorgenannten Handreichung werden diese eingestellten Materialien berücksichtigt. Die Rahmenvorgabe soll zum 01.08.2017 in Kraft gesetzt werden. Mit ihr werden wesentliche Vorarbeiten für die Überarbeitung der Kernlehrpläne zu den Leit- und Ankerfächern der Verbraucherbildung geleistet sein, die im Anschluss an das Leitprojekt ab 2018 schrittweise vorgesehen ist.

Ansprechpartner für das Leitprojekt ist Opens window for sending emailWulf Bödeker aus dem Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen.